Körpereigene Drogen machen Lust auf fettiges Essen

Friday, September, 20, 2013

Chipsvon Thomas Langenegger, SGE

Erschienen im Tabula 3 / 11

Wieso ist es so schwierig, nur ein einziges Pommes Chips zu essen? Laut einer neuen Studie sind es im Darm produzierte Marihuana-artige Substanzen, welche in solchen Fällen immer wieder unsere Selbstdisziplin untergraben. Die Entdeckung könnte neue Behandlungsmethoden bei Übergewicht aufzeigen.

Eine gross angelegte Langzeitstudie der Harvard Medical School hatte kürzlich festgestellt, dass in erster Linie fettiges Essen wie Pommes Chips verantwortlich für Gewichtszunahmen ist (siehe Kästchen). Ein internationales Forscherteam fand nun heraus, wieso es denn trotzdem so schwierig ist, diesen Fettmachern zu widerstehen. Sie entdeckten, dass der Geschmack von Fett in Chips und Co. bereits schon im Mund einen biologischen Mechanismus auslöst, welcher unser Essverhalten beeinflusst und es schwierig macht, diesen Produkten zu widerstehen. Im Mittelpunkt dieses Mechanismus: natürliche Marihuanaartige Chemikalien im Körper, sogenannte Endocannabinoide. Für die Studie wurde Ratten Fett in Form von Maiskeimöl-Emulsion verabreicht. Um den Effekt des Geschmackes von den anschliessenden Einflüssen der Verdauung zu isolieren, wurde ein sogenanntes «Sham-Feeding» vollzogen, bei dem die Nahrung dem Magen mittels eingesetztem Röhrchen sofort wieder entzogen wird, bevor sie verdaut werden kann. Die Forscher entdeckten dadurch, dass alleine vom Geschmack von Fett auf der Zunge Endocannabinoide mobilisiert werden. Die Fette generieren auf der Zunge ein Signal, welches über den Vagus-Nerv zum Ver- dauungstrakt gesendet wird, wo das Signal im vorderen Bereich des Verdauungstrakts die Produktion von Endocannabinoiden anregt. Laut Daniele Piomelli, Mitglied der Forschergruppe, verführt uns die körpereigene Droge, vermutlich durch das Auslösen von Verdauungschemikalien, die in Verbindung mit Hunger- und Sättigungsgefühl stehen, dazu, mehr zu essen. Laut Piomelli zeigt dies «zum ersten Mal auf, dass Endocannabinoide imDarm eine wichtige Rolle in der Regulation der Fettaufnahme spielen.» Mit Zucker oder Prote- inen liess sich der Effekt nicht erzeugen.Aus evolutionärer Sicht ist esfür Tiere äusserst wichtig, Fettezu konsumieren: Ursprünglichrar in der Natur sind sie entscheidend für das einwandfreie Funktionieren der Zellen. In der modernen Gesellschaft hat sich dasBlatt aber gewendet, Fette sindleicht verfügbar und die ungebremste Lust nach fettigen Nahrungsmitteln kann zu Übergewicht, Diabetes und Krebs führen. Die von Piomelli und seinemTeam gemachten Entdeckungenweisen darauf hin, dass die Lustauf Fettiges abgeschwächt werden könnte, indem die Aktivitätder Endocannabinoide gestörtwird – zum Beispiel mit Medikamenten, welche bei den Endocannabinoiden-Rezeptoren ansetzen. Da diese Medikamente nicht im Gehirn aktiv wären, sollten laut Piomelli auch diesonst typischen Nebeneffektewie Angstzustände und Depressionen ausbleiben.

QueLLe: dipatrizio NV, AsTARiTA g, schwarzt g, Li x, piomeLLi d. eNdocANNABiNoid sigNAL iN The gUT coNTRoLs dieTARy FAT iNTAke. Proceedings of the national academy of sciences VoL. 108: 12904- 12908, 2011. (ziTATe: sciencedaily. LeTzTeR zUgRiFF: 9. AUgUsT 2011, www.scieNcedAiLy.com)